Arbeitsrechthaberei Team

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18. Januar 2024


Arbeitsvertrag Minijob

Arbeitsvertrag Minijob

In Deutschland ist der Minijob eine beliebte und weit verbreitete Beschäftigungsform, die auch als geringfügige Beschäftigung oder als „450€-Job“ bezeichnet wird. Dies ist jedoch ein wenig irreführend, da der Maximalbetrag für das monatliche Einkommen in den vergangenen Jahren deutlich angehoben wurde (538,00€ Stand Januar 2024). Im folgenden Artikel werden Sie alles erfahren, was Sie für einen guten Start in den Job über Arbeitsverträge für Minijobs wissen müssen.

Grundlagen des Minijobvertrags

Seit dem 01.01.2024 liegt die Obergrenze des Verdienstes für einen Minijob bei 538€. Dabei darf der/die Arbeitnehmer:in bei aktuellen Mindestlohn (12,41€ pro Stunde, Stand 01.01.2024) maximal  ca. 43 Stunden im Monat oder 70 Tage im Jahr beschäftigt sein, um den Status als geringfügig Beschäftigte:r zu wahren. Bei einem höherem Stundenlohn ist die maximale monatliche Arbeitszeit geringer. Es wird mit folgender Formel gerechnet:

Verdienstgrenze / Stundenlohn = maximale Stundenanzahl pro Monat

Bei einem befristeten Minijob von maximal 70 Tagen im Jahr ist dies kein Problem und das monatliche Arbeitsentgelt darf die 538€-Grenze überschreiten.

Vor Vertragsabschluss muss der/die Arbeitnehmer:ini einen Personalfragebogen ausfüllen, damit festgestellt werden kann, ob die Voraussetzungen für eine geringfügige Beschäftigung gegeben sind.

Wie in jedem anderen Arbeitsvertrag sollten klare Angaben zu den Vertragsparteien, der Vergütung, dem Tätigkeitsbereich, den Arbeitszeiten und der Überstundenregelungen gemacht werden.

Minijobber haben die gleichen Rechte wie sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und profitieren somit von Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Das Mindestalter für Minijobs orientiert sich an den normalen Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Daher dürfen Jugendliche erst ab 15 Jahren regulär beschäftigt werden und maximal 8 Stunden am Tag arbeiten. Mit Einwilligung der Eltern dürfen Jugendliche allerdings schon ab 13 Jahren für maximal zwei Stunden am Tag arbeiten.

Urlaubsanspruch und Krankheit

Minijobber:innen haben denselben Mindestanspruch an Urlaubstagen wie andere Angestellte. Dieser würde im Falle einer Vollzeitbeschäftigung bei 20 Tagen liegen und wird anteilig auf die Arbeitszeit umgerechnet. Es ist allerdings möglich die Urlaubszeit mit dem Arbeitgeber zu verhandeln und über den Arbeitsvertrag zu erhöhen.

Außerdem haben Minijobber:innen 6 Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Kündigungsfristen und Vertragsbeendigung

Grundsätzlich gelten für Minijobs die gleichen Bestimmungen wie bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Die Kündigung muss schriftlich auf Papier erfolgen und händisch unterschrieben werden. Eine elektronische Nachricht, z.B. über E-Mail, ist nicht rechtskräftig. Nach deutschem Recht besteht eine Kündigungsfrist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats. Allerdings kann für die ersten drei Monate eine kürzere Kündigungsfrist vereinbart werden, wenn die Tätigkeit nur kurzzeitig als Aushilfe erfolgt. Bei einer Beschäftigung über mehrere Jahre sind auch längere Fristen gesetzlich vorgesehen. Es dürfen aber grundsätzlich längere Kündigungsfristen in einzelnen Arbeitsverträgen und Tarifverträgen vereinbart werden. Darüber hinaus darf die Kündigungsfrist für den/die Arbeitnehmer:in nicht länger sein als die für den/die Arbeitgeber:in.

Versicherungen

Der/die Arbeitgeber:in zahlt zusätzlich zum eigentlichen Gehalt auch noch einen Betrag in Höhe von 13% des Bruttoentgelts an die Krankenversicherung. Dennoch sind Minijobber:innen nicht automatisch krankenversichert und müssen sich anderweitig versichern. Der/die Arbeitgeber:in muss keinen Betrag zahlen, sollte der/die Minijobber:in privat versichert sein. Beiträge zur Arbeitslosen- und zur Pflegeversicherung fallen nicht an.

Minijobber:innen sind rentenversichert und zahlen einen Eigenbeitrag von 3,6%. Von der Rentenversicherungspflicht können Sie sich allerdings jederzeit bei Ihrem/Ihrer ArbeitgeberI:in durch einen schriftlichen Antrag befreien lassen. Dann zahlt nur noch der/die Arbeitgeber:in einen Pauschalbetrag von 15% des Bruttogehalts in die Rentenversicherung ein.

Besondere Klauseln und Vereinbarungen

Theoretisch kann eine Vielzahl von zusätzlichen Vereinbarungen zwischen Ihnen und Ihrem/Ihrer Arbeitgeber:in ausgehandelt und im Arbeitsvertrag niedergeschrieben werden. Gängige Varianten wären Geheimhaltungspflichten und Regelungen zu Nebenbeschäftigungen oder Wettbewerbsverboten.

Fazit

Minijobs bringen einige Vorteile mit sich und bieten eine gute Möglichkeit, um etwas dazu zu verdienen und gleichzeitig sehr geringe Abgaben zu haben. Dennoch gibt es einiges zu beachten und einzuhalten, denn in Sachen Arbeitnerhmer:innen-Schutz ist der Minijob in meister Hinsicht einem „normalen“ Anstellungsverhältnisses gleich gestellt.

Häufig gestellte Fragen auf einen Blick (FAQ)

Kann ich mich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen?

Sie können sich jederzeit durch einen schriftlichen Antrag bei ihrem/ihrer Arbeitgeber:in befreien lassen.

Was ist die monatliche Gehaltgrenze für einen Minijob?

Bei einem langfristigen Minijob darf die Einkommensgrenze von 538€ pro Monat (Stand 2024) nicht überschritten werden. Sind Sie für weniger als 70 Tage im Kalenderjahr beschäftigt, kann dieser Betrag überschritten werden.

Bekomme ich im Krankheitsfall dennoch mein Gehalt?

Ja! Sie haben für 6 Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Sind Sie als Minijobber länger als bis zu diesem Zeitpunkt krankgeschrieben, enden sämtliche Ansprüche auf eine Lohnfortzahlung. Der Minijobber hat in der Regel auch keinen Anspruch auf Krankengeld.

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